
Haptische Grafik / Material und Berührung
PLEASE
DO TOUCH!
Siebdrucke aus dem Knochenmehl ausgestorbener Tiere.
Fünf Motive mit sechs Tierarten. In die Druckfarbe ist das Knochenmaterial der dargestellten Tiere eingearbeitet. Die gerahmten Arbeiten laden dazu ein, diese Körnung zu berühren.
Der Projektfilm
Vom Material zum fertigen Bild.
Der Film zeigt das Knochenmaterial, die Arbeit mit der Farbe und die fertigen Siebdrucke. Zu sehen ist auch, wie sich ihre Oberfläche durch die geöffneten Tierkonturen berühren lässt.
2 Minuten 37 Sekunden · ohne Ton
Die Idee
Die Museumsscheibe
wird durchbrochen.
PLEASE DO TOUCH! verbindet visuelle und haptische Erfahrung. Die Tiere sind als Bilder zu sehen und durch ihr Knochenmaterial zugleich mit den Händen erfahrbar.
In Museen begegnet man historischen Objekten meist mit etwas Abstand. Eine Vitrine ermöglicht es, sie zu betrachten. Ihr Gewicht und ihre Oberfläche bleiben jedoch unzugänglich. Das Projekt beschäftigt sich damit, wie sich der Bezug zu einem Gegenstand verändert, sobald man ihn berühren kann.
Ein Beispiel: ein römisches Trinkglas
Ein Trinkglas aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. kann diesen Gedanken veranschaulichen. Hinter einer Museumsscheibe bleibt es ein Gegenstand, der betrachtet wird. Wer es selbst in die Hand nimmt und daraus trinkt, begegnet ihm auf eine andere Weise. Gewicht, Oberfläche und Gebrauch verbinden sich mit dem Wissen um sein Alter. Eine alltägliche Handlung schafft einen persönlichen Bezug zu den Menschen, die ein solches Glas vor Jahrhunderten benutzten.
Die Werkgruppe überträgt diesen Gedanken auf ausgestorbene Tiere. Fragmente ihrer Knochen wurden fein gemörsert, gesiebt und in die jeweils zum Tier gehörende Farbe eingearbeitet. Wer vorsichtig darüberstreicht, spürt die Körnung des Materials im Bild.

Die Werkgruppe
Fünf Motive.
Sechs Tiere.
Wollnashorn, Smilodon, Höhlenbär und Mammut stehen jeweils für sich. Tyrannosaurus rex und Triceratops teilen sich das fünfte Motiv. Für jede der sechs Tierarten wurde eigenes Knochenmaterial verwendet.

Wollnashorn
Fragment des linken Jochbeins
Sibirien

Smilodon
Fragment des rechten Oberschenkelkopfs
Florida

Höhlenbär
Fragmente von Elle, Unterkiefer, Oberschenkel und Mittelhand
Karpaten

Mammut
Gelenkfläche am unteren Ende des rechten Oberschenkelknochens
Nordsee

Tyrannosaurus rex + Triceratops
Röhrenknochenfragment des Tyrannosaurus und Rippenfragment des Triceratops
Die Angaben unter den Motiven beziehen sich auf das jeweils verwendete Knochenmaterial.
Das Material
Knochen in der Farbe.
Für die Arbeiten wurden Knochenfragmente der jeweils dargestellten Tierart kleingemörsert und in die Druckfarbe gegeben. Mit dieser Farbe wurden die Tiere im Siebdruck gedruckt.
Das Knochenpulver bleibt als feine Körnung auf dem Papier spürbar. Durch die tierförmigen Öffnungen in der Acrylabdeckung lässt sich diese Oberfläche vorsichtig berühren.





Ausstellung und Vermittlung
Die Arbeiten
im Raum.
Die vollständige Werkgruppe umfasst fünf gerahmte Arbeiten. Sie lässt sich als zusammenhängendes Ensemble präsentieren. Die Hängung kann an die jeweiligen Ausstellungsräume angepasst werden.
- Vier Einzelmotive
- je 52 × 72 cm
- Dinosauriermotiv
- DIN A1
Der Projektfilm, Prozessbilder, Knochenfragmente und Informationen zu den verwendeten Materialien können die Präsentation ergänzen. Sie machen nachvollziehbar, wie die Arbeiten entstanden sind und was auf den Druckflächen zu spüren ist.
Die Berührung gehört zum Ausstellungskonzept. Das Publikum wird dazu eingeladen, vorsichtig durch die geöffneten Konturen über die körnigen Flächen zu streichen. Künstlergespräch und Vermittlung sind möglich.
Die Werkgruppe eignet sich für Solo- und Gruppenausstellungen in Galerien und Kunstvereinen sowie für Naturkunde- und Designkontexte und Ausstellungen zwischen Kunst und Wissenschaft.
Ausstellungen ab Mitte September 2026, Termine nach Absprache.
Zum Künstler
Archäologie,
Material und Gestaltung.
Sven Haag verbindet Grafik- und Kommunikationsdesign mit einer langjährigen Beschäftigung mit historischen Objekten, Knochen und Fossilien. Jahrelange Tätigkeit im Kuriositäten- und Antikhandel sowie Ausgrabungen, vor allem in Osteuropa, haben seinen Zugang zu diesen Materialien geprägt.
Dabei stand immer auch der direkte Kontakt mit historischen Objekten im Mittelpunkt: sie in die Hand zu nehmen, ihr Gewicht und ihre Oberfläche wahrzunehmen und sich mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen.
Sein Studium der Klassischen sowie der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie und sein in England erworbener Master in Grafik- und Kommunikationsdesign führen unterschiedliche Perspektiven zusammen. PLEASE DO TOUCH! ist aus dieser Verbindung von archäologischem Interesse, Materialerfahrung und gestalterischer Praxis entstanden.

In Vorbereitung
Den Mond berühren.
Das nächste Projekt überträgt den Gedanken auf den Mond. Geplant ist eine Darstellung, in deren Oberfläche Pulver eines Mondmeteoriten eingearbeitet wird. Das Material stammt ursprünglich vom Mond und ist als Meteorit auf die Erde gelangt.
Auch diese Arbeit soll zur Berührung einladen. Das Bild des Mondes und das Material seiner Oberfläche werden miteinander verbunden. Das Projekt befindet sich in Vorbereitung.